Bad Honnef


Ein Porträt von Bad Honnef

Wo der Rhein das enge Tal verläßt, das er sich selbst durch das Schiefergebirge geschnitten hat und den Westerwald von der Eifel und den Taunus vom Hunsrück trennte, liegt in einer weiten Flußtalmulde Bad Honnef.

Noch ein letztes Mal fließt der Strom an einer Bergkette vorbei. Es sind die 40 Berge und Hügel des Siebengebirges mit ihren sanften, grünen Flanken. Auf ihnen wachsen, anders als an den steilen Hängen des Schiefergebirges Wälder, durchbrochen von Wiesen und Auen. Die Wasser fließen ruhiger und gemächlicher als wollten sie in ihrem Lauf durch die Schleifen des Flußbettes am Niederrhein und die Mündungsmäander in den Niederlanden Zeit gewinnen bevor sie sich in der Nordsee verlieren.

Doch hier grüßen den im Talgrund verweilenden Strom letzte Burgen an seinem langen Weg. Ein so schönes Bild, daß der bekannte Weltreisende Alexander von Humboldt (1769-1859) beim Blick vom Drachenfels Bad Honnef als "rheinisches Nizza" bezeichnete.

Natürlich haben viele Mächtige vor und nach ihm den Reiz der Landschaft erkannt. Kelten, Germanen, Römer, Franken, Pfaffen und Fürsten stritten sich nach- und miteinander um den Besitz und so wird Bad Honnef 922 erstmalig urkundlich erwähnt. Im 11.Jahrhundert gehörte die Stadt zum Erzstift Köln. Erzbischof Arnold wird der Bau der Drachenburg (Bauende 1170) zugeschrieben und dem Landesherren im 12.Jahrhundert, dem Grafen von Sayn, die Löwenburg.

Deutsche und spanische Truppen plünderten im truchsessischen Krieg (1588) die Stadt. Schweden Holländer, Hessen und Franzosen wiederholten das im 30jährigen Krieg (1618-48), wie jeder der sie nicht behalten konnte, noch 1689 Ludwig der XIV. Napoleon schlug die Stadt dem Großherzogtum Berg zu, bis sie am 5.April 1815 zusammen mit Königswinter an das im Rheinland nicht sehr beliebte Preußen fiel.

Am 14. Juli 1862 wurde Honnef schließlich als selbständige Stadt anerkannt und profitierte in der Folge von der die Mittel- und Oberschicht sehr bewegenden Romantik, die –an der Siegfriedsage und den national bewegten Liedern erkenntlich- auch das Rheinland mit erfaßte. Von dem daraus sich ergebenden Fremdenverkehr profitierte auch Bad Honnef, das auch heute noch gut betuchten Bürgern aus Bonn und Köln als Altersruhesitz dient. Der weltweit bekannteste ist der 1. Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer.(5.Januar 1876- 19.April 1967)

Heute ist der Drachenfels mit seiner im 30.jährigen Krieg zerstörten Burg das besondere Kennzeichen der Stadt. Er ist von Königswinter aus mit der Zahnradbahn leicht zu erreichen und bietet eine großartige Aussicht. Der sagenumwobene Rolandsbogen, gleich ihm die Inseln Nonnenwerth und Grafenwerth, auf denen sich nun Sportstätten und Thermalbad – und auf Nonnenwerth ein Mädchenpensionat – unter uralten Auenwäldern verstecken.

Bad Honnef führt als Stadtwappen das der letzten Löwenburgbesitzer, der Grafen von Monheim – Heinsberg, die wohl nicht mehr sehr kriegerisch waren. Ein rot – silbriges schachförmiges Feld einem Turnierkragen mit fünf Zipfeln entspricht sehr dieser gastlichen Stadt mit seinen althergebrachten Fachwerk – Bürgerhäusern, den zahlreichen Weinstuben, in denen man sich fröhliche und nachdenkliche Schachspieler vorstellen kann. Der Wein ist allerdings nur selten vom letzten und am weitesten nördlich gelegenen Weinberg der Rheinlande. Es gibt zu wenig von diesem herben Gewächs im Siebengebirge, das mit Petersberg, Wolkenburg, Ölberg, Drachenfels, Löwenburg, Lohr- und Nonnenstromberg aus den 40 Hügeln hervorragt und von vielen Sagen und Märchen zeugen, denen die herzlich willkommenen Gäste gern nachgehen.

A.Stockebrand